Der Winter stellt für viele Zimmerpflanzen eine besondere Herausforderung dar. Während sie im Frühling und Sommer kräftig wachsen, neue Blätter bilden und regelmäßig Wasser benötigen, verlangsamen sich in den Wintermonaten ihre Lebensprozesse deutlich. Kürzere Tage, geringere Lichtintensität und oft kühlere Temperaturen sorgen dafür, dass Pflanzen in eine Art Ruhephase eintreten. Gerade in dieser Zeit ist das richtige Gießverhalten entscheidend, denn zu viel Wasser kann schnell mehr schaden als nützen. Der wichtigste Grundsatz für die Winterpflege lautet daher: Weniger ist mehr.

Warum Zimmerpflanzen im Winter weniger Wasser brauchen

Im Winter sinkt der Wasserbedarf der meisten Zimmerpflanzen deutlich. Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist das Wachstum stark reduziert. Die Pflanzen bilden kaum neue Triebe oder Blätter und verbrauchen entsprechend weniger Wasser und Nährstoffe. Zum anderen verdunstet Wasser langsamer als im Sommer, da die Sonneneinstrahlung geringer ist und die Temperaturen meist niedriger sind.

Ein besonders großes Risiko stellt Staunässe dar. Wird zu häufig gegossen, bleibt die Erde dauerhaft nass, wodurch die Wurzeln nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Die Folge kann Wurzelfäule sein – eine der häufigsten Ursachen für das Absterben von Zimmerpflanzen im Winter. Besonders empfindlich reagieren tropische Pflanzen wie Monstera, Ficus oder Orchideen auf zu nasse Erde.

Tipp: Vor dem Gießen sollte immer geprüft werden, ob die Pflanze tatsächlich Wasser benötigt. Die sogenannte Fingerprobe – bei der man zwei bis drei Zentimeter tief in die Erde fühlt – ist eine einfache und zuverlässige Methode. Alternativ kann auch ein Feuchtigkeitsmesser verwendet werden.

Gießregeln für die Wintermonate

Gießhäufigkeit anpassen

Während im Sommer oft ein- bis zweimal pro Woche gegossen wird, reicht im Winter bei vielen Pflanzen ein Gießintervall von zwei bis drei Wochen aus. Der genaue Rhythmus hängt vom Pflanzentyp, vom Standort und von der Raumtemperatur ab. Kakteen, Sukkulenten und andere trockenheitsresistente Pflanzen benötigen oft sogar nur alle vier bis sechs Wochen etwas Wasser.

Wassermenge reduzieren

Nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Wassermenge sollte reduziert werden. Die Erde sollte leicht feucht bleiben, aber niemals nass. Überschüssiges Wasser muss immer abfließen können. Stehendes Wasser im Untersetzer sollte spätestens nach 30 Minuten entfernt werden.

Richtige Wassertemperatur

Kaltes Leitungswasser kann die empfindlichen Wurzeln schädigen. Besser ist lauwarmes, zimmerwarmes Wasser. Außerdem sollte möglichst nicht direkt auf die Blätter gegossen werden, da dies Pilzkrankheiten begünstigen kann.

Unterschiedliche Bedürfnisse je nach Pflanzentyp

Nicht alle Zimmerpflanzen reagieren gleich auf den Winter. Je nach Herkunft und Pflanzenart unterscheiden sich die Pflegeansprüche deutlich.

Tropische Pflanzen wie Ficus oder Monstera bevorzugen einen hellen Standort, sollten aber kühler stehen als im Sommer. Die Erde darf leicht feucht bleiben, Staunässe muss unbedingt vermieden werden.

Sukkulenten und Kakteen benötigen sehr viel Licht und extrem wenig Wasser. Gegossen wird erst, wenn das Substrat vollständig trocken ist.

Blühpflanzen wie Orchideen oder Amaryllis befinden sich im Winter oft in einer Ruhe- oder Schwächephase. Kleine Wassermengen reichen aus, teilweise ist es besser, Wasser nur in den Untersetzer zu geben.

Immergrüne Zimmerpflanzen wie Efeu oder Dracaena mögen es hell und eher kühl. Auch hier gilt: gleichmäßig leicht feucht, aber niemals nass.

Einfluss von Raumklima und Standort

Neben dem Gießverhalten spielt die Umgebung eine wichtige Rolle für die Gesundheit der Pflanzen.

  • Luftfeuchtigkeit: Heizungen trocknen die Raumluft stark aus. Das führt häufig zu braunen Blattspitzen oder eingerollten Blättern. Schalen mit Wasser, feuchte Tücher oder ein Luftbefeuchter können helfen.
  • Zugluft: Kalte Luft von Fenstern oder Türen kann Pflanzen schädigen. Ein geschützter Standort ist daher wichtig.
  • Licht: Auch im Winter benötigen Pflanzen möglichst viel Licht. Ein Platz am Südfenster oder der Einsatz von LED-Pflanzenlampen kann sinnvoll sein.

Weitere wichtige Pflegehinweise im Winter

In der Ruhephase sollten Zimmerpflanzen insgesamt möglichst wenig Stress ausgesetzt werden. Düngen ist in den meisten Fällen nicht notwendig und kann sogar schädlich sein. Die Nährstoffaufnahme ist reduziert, überschüssiger Dünger belastet die Wurzeln.

Alte, gelbe oder beschädigte Blätter sollten regelmäßig entfernt werden. Das verbessert die Luftzirkulation und reduziert das Risiko für Schädlinge. Umtopfen sollte grundsätzlich vermieden werden – dafür ist das Frühjahr der bessere Zeitpunkt.

Auch Schädlinge treten im Winter häufiger auf, insbesondere Spinnmilben oder Trauermücken. Eine regelmäßige Kontrolle der Blätter und der Erde hilft, Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Praktische Hilfsmittel für die richtige Pflege

Hilfsmittel können dabei unterstützen, das richtige Maß zu finden. Neben der Fingerprobe sind Feuchtigkeitsmesser besonders bei empfindlichen Pflanzen hilfreich. Untersetzer und Wasserschalen verhindern Staunässe, wenn überschüssiges Wasser rechtzeitig entfernt wird.

Fazit: Weniger Wasser, gesunde Pflanzen

Im Winter ist Zurückhaltung der Schlüssel zu gesunden Zimmerpflanzen. Wer die Gießintervalle verlängert, die Wassermenge reduziert und Licht, Temperatur sowie Luftfeuchtigkeit berücksichtigt, schafft optimale Bedingungen für die Ruhephase. Keine Umtopfaktionen, kaum Dünger und regelmäßige Kontrolle sorgen dafür, dass Pflanzen den Winter gut überstehen – und im Frühling wieder kräftig austreiben.